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Der Hirschkäfer

Lucanus cervus

Der Hirschkäfer gehört zu der Familie der sogenannten Schröter. Er zählt zu den größten und auffälligsten Nutzkäfern, das heißt, für den Menschen irgendwie nützlichen Käfern, in Europa. Seinen Namen erhielt er aufgrund der beim Männchen geweihartig vergrößerten Oberkiefer, der Mandibeln.

Hirschkäfer leben bevorzugt in alten Eichenwäldern, können aber auch in Mischwäldern mit viel Totholz sowie in Park-, Garten- und Streuobstanlagen vorkommen.

Als ausgewachsene Käfer leben die Tiere maximal einen Monat lang. Sie können gut fliegen und schwärmen besonders in der warmen Abenddämmerung bis zu etwa 6 km weit aus.

Die Männchen können ihr Geweih weder zur Nahrungsaufnahme noch zum Beißen oder Kauen verwenden, denn sie sind Saftlecker, das heißt, sie saugen und lecken lediglich Pflanzensäfte. Sie können den Saft verletzter Bäume, vor allem wenn er vergoren ist, bis auf weite Entfernungen hin riechen. Zum Saugen benutzt der Käfer einen Pinselrüssel, mit dem er den Saft aufleckt.

Neben seinem Pinselrüssel besitzt der Käfer zwei Fühler zum Riechen, Oberkiefer zum Tasten und Schmecken, zwei Augen, ein Paar feste Chitin-Flügeldecken, und 1 Paar Hautflügel. Kopf, Rumpf und Brust sind mit staubdichten Gelenken verbunden.

Nach dem Genuss der vergorenen Baumsäfte, die ähnlich wie vergorener Apfelwein riechen, werden die Hirschkäfer trunken und kommen in Kampfstimmung. Treffen dann zwei Männchen aufeinander, versuchen sie, den Gegner mit Hilfe ihrer langen Mandibeln auf den Rücken zu werfen oder vom Baum zu stoßen. Der Schwächere flieht dann meist, und der Gewinner hat die Möglichkeit, sich mit dem Weibchen zu paaren.

Die Weibchen locken ihre Partner mit Hilfe von Sexuallockstoffen, sogenannten Pheromonen. Diese Duftstoffmarken werden von den Männchen kilometerweit wahrgenommen und bringen diese in weitere Hochzeitsstimmung.

Nach der Befruchtung legt das Weibchen 20 – 100 Eier an die Wurzeln abgestorbener Bäume bis zu 75 cm tief in den Boden. Auch Fallholz, Baumstümpfe und Komposthaufen sind beliebte Legeplätze. Zur Sicherheit werden nie alle Eier an einem Ort, sondern kleinere Mengen an verschiedenen Plätzen abgelegt.

Die cremefarbigen Larven schlüpfen nach etwa 3 Wochen aus den Eiern und benötigen dann, je nach Qualität des Holzes, 3 – 5, manchmal auch bis zu 8 Jahren zu ihrer Entwicklung zum Engerling. Dieser wird bis zur letzten Häutung oft über 11 cm lang und baut dann im Erdreich eine faustgroße Kammer, die sogenannte Puppenwiege, in der er sich zur Puppe verwandelt. Diese ruht in einem zweiten Metamorphosenschritt etwa ein Jahr lang, bis sie sich in den fertigen Käfer verwandelt. Der Käfer überwintert sodann und schlüpft erst im kommenden Jahr Mitte Mai bis Ende Juni.

Der Hirschkäfer hat viele tierische Feinde. Schon die Eier, Engerlinge und Puppen werden vom Specht aus ihre Fraßgängen geholt sowie auch von anderen Vögeln aus der Erde gescharrt. Die größten Fressfeinde aber sind die Wildschweine. Doch auch Dachs und Fuchs graben nach den Köstlichkeiten. Die nach der Paarung und Eiablage erschöpften Käfer sterben nach 4 bis 8 Wochen. Auch sie werden Opfer ihrer Fressfeinde, und man findet meist nur noch Kopf und Geweih von ihnen.

Der Hirschkäfer ist auf der Roten Liste Deutschlands als stark gefährdet geführt. Das liegt daran, dass immer weniger Lebensräume für die Tiere vorhanden sind. Deswegen werden sogenannte Hirschkäferwiegen gebaut, indem man ca. 1 Meter lang Baumstämme senkrecht in die Erde eingräbt und die Stammenden 20 bis 60 cm weit aus der Erde herausschauen lässt. Die Zwischenräume werden mit Häcksel oder Sägespänen verfüllt. Nach der Verpilzung wird das vermorschende Holz von den Käfern gerne als Lebensraum angenommen. Wind- und Faulbruch lässt man aus demselben Grund ebenfalls im Wald liegen.

Nicht nur, weil der Hirschkäfer für den Wald nützlich ist, indem er nämlich Totholz in besten Humus verwandelt, sondern auch wegen seines imposanten Aussehens als größter Vertreter der einheimischen Käferfamilie sollte alles in unserer Macht Stehende getan werden, um ihn in unseren Wäldern zahlreich zu erhalten.


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