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Die Äskulapnatter

Die Äskulapnatter (Zamenis longissimus) gehört zur Familie der Nattern und ist wie alle bei uns vorkommenden Natterarten nicht giftig. Benannt wurde die Schlange nach Asklepios (lat:Aesculapius), dem griechischen Gott der Heilkunde,um dessen Stab sich eine Natter wickelte. Der Äskulabstab ist auch heute noch das Symbol und Markenzeichen der Mediziner und Apotheker. Die Äskulapnatter hat in Deutschland nur drei Verbreitungsgebiete. Eines davon liegt in Süd-Hessen im südlichen Odenwald, im Rheingau und im Taunus rund um Schlangenbad.

Äskulapnattern werden durchschnittlich 1,20 m bis 1,60 m lang, können aber auch die Zwei-Meter-Marke erreichen. Damit werden sie gut doppelt so lang wie die Kreuzotter und auch wesentlich länger als die weitaus bekanntere Ringelnatter.

Die Färbung der Schlange reicht von gelblich-braun über olivgrün bis grauschwarz. Ihre Oberfläche ist glatt und glänzend. Da viele der Schuppen weiß umrandet sind, entsteht eine helle Längsstrichelung entlang des Körpers. Der Bauch ist hell grünlich-gelb gefärbt. Die Jungtiere weisen eine deutlich hellere Grundfärbung auf, mit dunklen Flecken auf dem Rücken und hinter dem Kopf – ähnlich wie bei der Ringelnatter – ein hellgelber Fleck.

Die Äskulapnatter hat, wie auch ihre Artgenossen, die Schling-, Würfel- und Ringelnatter, Augen mit einer runden Pupille, die ein deutliches Kennzeichen aller Nattern ist und ihr ein eher freundliches Aussehen verleiht. Damit unterscheidet sie sich klar von dem trotzig drohenden Blick der Kreuzotter, deren Auge eine senkrecht geschlitzte Pupille aufweist.

Äskulapnattern bevorzugen warme und besonnte Plätze, an denen sie als wechselwarme Tiere die notwendige Wärme tanken können, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Man findet die Schlangen deshalb vor allem an feuchtwarmen, sonnenexponierten Stellen. Gern hält sie sich auch unter von Menschenhand künstlich errichteten Verstecken auf sowie auf Waldlichtungen im Geröll und Gestrüpp. Besonders beliebt sind Feldsteinmauern, alte Steinbrüche und die Randbereiche landwirtschaftlich genutzter Wiesen. Blindschleichen, Eidechsen und Schmetterlinge finden sich oft in ihrer Nähe.

Die Äskulapnatter ernährt sich von Mäusen, Eidechsen und Insekten. Ihre Bauchschuppen sind abspreizbar und erleichtern ihr damit das Klettern . So kann sie sich bei der Nahrungssuche sogar an fast senkrechten Bäumen hoch schlängeln und dort in Vogelnestern Nestlinge und Eier erbeuten.

Die Paarungszeit der Schlangen beginnt nach der Winterruhe. Die Eiablage erfolgt im Juli in feuchter Erde und in Pflanzenresten mit leicht feuchter Gärwärme sowie unter Steinen oder in Mauerspalten. Dabei legt das Weibchen ein Gelege von fünf bis zehn länglich-ovalen Eiern ab, aus denen im September die Jungtiere schlüpfen.

Natürliche Feinde der Äskulapnatter sind Wildschweine, Marder und Greifvögel, für Jungtiere auch Krähen und Igel. Ihr schlimmster Feind aber ist, wie so oft, der Mensch. Viele Menschen fürchten sich vor Schlangen und schlagen im Zweifelsfall jedes Tier tot, ob es giftig ist oder nicht. Dabei ist die Natter für den Menschen völlig harmlos. Selbst bei Störungen verhält sie sich nicht angriffslustig. Nähert man sich ihr langsam und vorsichtig, flieht sie nicht, sondern bleibt ruhig liegen. Nur bei wirklich akuter Bedrohung wehrt sie sich durch leichte Abwehrbisse. Die Äskulapnatter ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und in der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland als stark gefährdet eingestuft. Sie darf daher weder gefangen, vergrämt oder gar getötet werden.

Da die Außenhaut während ihres Wachstums nicht mitwächst, muss die Schlange sie an Steinen und Gestrüpp abstreifen. Die so abgelegte Haut nennt man Natternhemd. Das Natternhemd besteht meistens aus der in einem Stück mit der Innenseite nach außen abgestreiften alten Oberhaut.


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