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Safari am Bahndamm

Was gibt es an einem alten Bahndamm mitten in einem Stadtgebiet schon zu sehen?! Kann man hier etwas Besonderes entdecken?! – Zwischen aufgelassenen Gleisen wächst Unkraut. Stein- und Bauschutthaufen ziehen sich an ihm entlang, von Grünzeug und Buschwerk überwuchert. Alles erweckt den Eindruck von Vernachlässigung und Verwahrlosung. Und doch findet sich hier ein wertvolles und erhaltenswertes Biotop: es ist die Heimat von Mauereidechse und Schlingnatter.

Die Mauereidechse

Die Mauereidechse (Podarcis muralis) ist eine kleine, nur bis zu maximal 25 cm große und in ganz Mitteleuropa vorkommende Eidechse. Als Kulturfolger besiedelt sie neben Mauern, Straßenböschungen, Steinbrüchen und Ruinen eben auch Bahndämme. Auf Freiflächen im Gebüsch und auf den Steinen der Bahngleise findet sie hier geeignete Plätze für das lebensnotwendige Sonnenbaden. Ihre Rückenfärbung variiert mit verschiedenen Braun- und Grautönen, die auch ins Grünliche gehen können. Auffallend ist ein unregelmäßiges schwärzliches Flecken- oder Netzmuster. Mauereidechsen ernähren sich von Insekten und Spinnentieren.

Die Schlingnatter

Die Schlingnatter (Coronella austriaca) ist mit 60 bis 80 Zentimetern Körperlänge eine eher kleine, heimlich und versteckt lebende Schlange. Zwischen schütterer Vegetation und in den Schlupfwinkeln der Stein- und Schutthaufen findet sie geeigneten Lebensraum. Der Name „Schlingnatter“ geht auf das Verhalten zurück, größere Beutetiere zu umschlingen und zu ersticken, bevor sie gefressen werden. Auf ihrem Speisezettel stehen Eidechsen, Blindschleichen, Insekten und Kleinsäuger. Für den Menschen ist diese Schlange, weil ungiftig, völlig harmlos. Sie wird allerdings aufgrund der Krönchenzeichnung auf ihrem Kopf und den zwei Reihen dunkler Flecke auf ihrem Rücken, die an das Kreuz und das Zickzackmuster der Kreuzotter erinnern, oft mit dieser verwechselt.

Schlangen wachsen ihr Leben lang. Die äussere Schicht der Schlangenhaut besteht aus bereits abgestorbenem Hornmaterial, das nicht mitwachsen kann. So muss die Haut als Ganze erneuert werden. Bei der Häutung streift die Schlange die gesamte Haut vom Kopf her bis in die Schwanzspitze hinein wie ein zu eng gewordenes Kleidungsstück ab. Eine solche Hülle wird deshalb auch Natternhemd genannt.ab. Mit etwas Glück kann man eine alte Schlangenhaut im Gelände finden. Oft ist daran, noch deutlich erkennbar, das komplette Schnauzenschild mit den Einbuchtungen für die Kopfschuppenplatten und die Augenhöhlen zu sehen.

Dem aufmerksamen Betrachter am Bahndamm entgehen aber auch kleinere und nicht ganz so spektakuläre Beobachtungen nicht: zum Beispiel der Fangtrichter eines Ameisenlöwen oder das Schaumnest der Wiesenschaumzikade.


Auf die eingangs gestellte Frage, was es denn an einem alten Bahndamm Besonderes zu sehen gäbe, ist deshalb mit Entschiedenheit die Antwort zu geben, dass auch in einem noch so unscheinbar wirkendem Ödland kleine und große Wunder der Natur auf uns warten.


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Thema von Anders Norén