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Die Ringelnatter

Die Ringelnatter ist eine in großen Teilen Europas beheimatete Schlange. Sie gehört wie die Äskulap-, Würfel- und Schlingnatter zur Familie der Nattern. Neben der Kreuzotter ist sie die wohl bekannteste Schlange in Deutschland. Im Gegensatz zur Kreuzotter ist sie aber harmlos und nicht giftig. 

Auffälligstes Merkmal sind die gelben, manchmal auch weißen, Halbmondflecken auf beiden Seiten des Hinterkopfes, die nach hinten von sichelförmigen schwarzen Rändern begrenzt werden. Die Grundfarbe der Tiere variiert von schiefgergrau bis grünlich oder olivbraun. Selten treten auch teilweise oder gänzlich schwarze Exemplare auf. Auf ihren Rücken und an den Seiten zeigen sich unregelmäßige dunkle Flecken. Der Kopf der Tiere ist deutlich vom Körper abgesetzt. Auf seiner Oberseite befinden sich sehr große Schuppen. Die Pupillen sind, wie bei allen Nattern, kreisrund.

Die männliche Ringelnatter kann bis zu 1,20 m lang werden, die etwas dickere weibliche wohl bis zu 2 m. Jedoch sind die meisten erwachsenen Tiere unter 1 m lang. Ringelnattern häuten sich mehrfach im Jahr. Dabei wird die alte Haut an Gestrüpp und Gestein abgerieben. Für das Vorkommen von Ringelnattern sind bestimmte Umstände unabdingbar. Sie benötigen kleine Tümpel, Weiher, Feuchtwiesen oder sehr langsam fließende Gewässer. Sie können gut schwimmen und tauchen. Reichlich Vegetation muss vorhanden sein, um ausreichend Deckung zu liefern.

Im Lebensraum der Ringelnatter muss es dazu auch unbedingt Plätze als Verstecke, für die Eiablage sowie für die Überwinterung geben. Ideal sind morsche Bäume oder löcheriges Erdreich. In solchen Erdhöhlen und hohlen Baumstümpfen hält die Ringelnatter, oft in Kleingruppen, Winterschlaf von Oktober bis April. 

Ringelnattern sind sehr scheu. Werden sie gestört oder aufgeschreckt, reagieren sie je nach Situation verschieden. Dies kann vom Ignorieren bis hin zum Scheinangriff reichen. Normalerweise fliehen sie bei Bedrohung oder Störung zügig und geräuschlos ins Wasser oder in ein nahes Versteck. Fühlt die Natter sich aber direkt bedroht, kann sie laut zischen. Sie hebt dabei ihren Kopf, um einen Angriff vorzutäuschen. Bleibt ihr keine Fluchtmöglichkeit, stellt sie sich tot, verdreht den Körper und lässt die Zunge heraushängen. Damit will sie die Feinde täuschen, deren Sehvermögen auf sich bewegende Opfer optimiert ist. Wird sie angefasst oder aufgehoben, entleert sie manchmal ihre Kloakendrüse, die eine gelblich-weiße, übel riechende Flüssigkeit enthält. Ringelnattern ernähren sich vorwiegend von Fröschen, Molchen und Fischen, manchmal auch von Mäusen, wobei sie nur lebende Beute fressen. Ständiges Züngeln ortet das jeweilige Beutetier.

Ringelnattern sind weitgehend tagaktiv und beginnen den Morgen mit einem ausgiebigen Sonnenbad. Sie sind wechselwarm und brauchen daher die Sonnenenergie zur Steigerung ihrer Körpertemperatur. 

Nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf findet zunächst die erste Häutung und daran anschließend die Paarung statt. Zur Fortpflanzung versammeln sich häufig große Paarungsgruppen, wobei immer mehr Männchen als Weibchen vorkommen.

Nach etwa zwei Monaten legt das Weibchen im Juni 10-40 Eier an warmen und geschützten Stellen ab, so im Kompost, im Schilf, in alten Baumstümpfen oder im Grünschnitt. An besonders günstigen Stellen legen mitunter sehr viele Ringelnattern ihre Eier in ein Gelege, welches dann einige hundert Eier enthalten kann. Im frühen Herbst schlüpfen durch die  Abwärme aus dem Abbauprozess die jungen Ringelnattern. Die Schale des Eis wird dabei mit einem Eizahn aufgeschnitten. Die Jungtiere sind ca. 12 cm lang und wiegen kaum mehr als 3 g. Sie verlassen das Gelege zunächst nicht und gehen dort, bereits selbständig, auch in den Winterschlaf. Nach etwa 4 Jahren ist die Ringelnatter geschlechtsreif. Sie kann in Freiheit ein Alter von etwa 20 Jahren erreichen. 

Die Ringelnatter steht auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten und ist durch Naturschutzgesetze geschützt. Sie darf weder verfolgt, gefangen noch getötet werden. Dennoch werden viele Ringelnattern zu Opfern des Straßenverkehrs, wenn sie, um Ortswechsel vornehmen zu wollen, auf warmen, asphaltierten Straßen überfahren werden. Ihre natürlichen Feinde sind Greifvögel, Storch, Graureiher, Fuchs, Wiesel, Igel, Katzen und halt eben auch der Mensch. Seien wir deshalb achtsam und schützen wir dieses harmlose und dabei so schöne Reptil.

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