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WILDNIS AM LANDGRABEN

Südlich von Büttelborn im hessischen Ried führt eine Wegstrecke am dortigen Landgraben entlang, die mitten im Kulturland nach rechts und links hin immer wieder Ausblicke auf Landschaftsbilder mit wahrem Wildnischarakter freigibt.

Der europäische Biber ist das größte, in Deutschland heimische Nagetier. Nach seiner vollständigen Ausrottung konnte er im 20. Jahrhundert wieder eingebürgert und heimisch werden. Erwachsene Biber können bei einem Gewicht von 20-30 kg und einer Länge bis zu 1,35 m ein Alter von ca. 20 Jahren erreichen. Unverkennbares Merkmal ist ihr platter, beschuppter Schwanz, die sogenannte „Biber-Kelle“. Biber sind reine Vegetarier und ernähren sich von Trieben, Knospen, Blättern, Gräsern, Kräutern, Feldfrüchten und Rinde. Die bis zu 3 cm langen Schneidezähne des Bibers wachsen immer wieder nach und ermöglichen es den Tieren dank des hohen Eisenoxidgehalts auch an sehr harten Hölzern zu nagen. Über die Flußsystheme von Rhein und Main, sowie durch Grabenverbindungen, sind Biber nun auch in den Landgraben bei Büttelborn eingezogen. Da die Tiere meist nur nachts aktiv sind, ist eine Sichtung am hellen Tag sehr unwahrscheinlich. Deshalb muss das Archivbild eines Biberpräparats hier zur Anschauung dienen.

Sind auch die Biber tagsüber nicht oder höchstens nur sehr selten zu sehen, ihre Spuren als eindeutiger Nachweis ihres Hierseins sind es umso deutlicher. Da ist zuerst der Damm, den sie gebaut haben und immer noch bauen. Weil ihnen der Wasserstand im Landgraben mit Sicherheit zu niedrig ist, um wie gewohnt einen Bau mit Eingang unter Wasser zu errichten, versuchen sie mit seiner Hilfe einen tieferen Wasserstand anzustauen und ihn damit auch zu regulieren. Inzwischen werden sie wohl irgendwo im Uferbereich einen Erdbau als Wohnraum gewählt haben. Ein weithin sichtbares Zeichen ihrer Anwesenheit sind ihre zahlreichen Fraß- und Nagespuren an Büschen und Bäumen. Klar erkennbar ist zudem auch die Stelle, die sie wohl zusammen mit ihren Nachbarn, den Nutrias, als Ausstieg aus dem Graben benutzen, um in den umliegenden Wiesen und Feldern auf Nahrungssuche zu gehen. Nutrias, die sich überall in unseren Gewässern ausgebreitet haben, sind wesentlich kleiner als Biber und auch leicht an ihrem gegenüber der breiten Biberkelle viel dünneren und länglicheren Schwanz zu erkennen. Noch kleiner als das Nutria ist die Bisamratte, die ebenfalls hier zu Hause ist. Teichhuhn und Stockente gehören ebenfalls zu den Mitbewohnern dieses Habitats. Deutlich sichtbar hinterlassen alle ihre Trittsiegel im schlammigen Morast der Uferzonen.


Ein Stück weiter des Wegs öffnet sich nach dschungelartigem Gewirr des Schilfdickichts die Landschaft und gibt den Blick über eine weite Wiesenlandschaft frei, deren Ende zum Horizont hin von einer Reihe stattlicher Pappeln begrenzt wird. Sie bilden die Heimat einer ansehnlichen Weißstorch-Kolonie. Jetzt, Anfang März, sind die Vögel voll mit dem Ausbau ihrer alten, oft zentnerschweren Horste und der Vorbereitung der anstehenden Brutsaison beschäftigt. Auch auf der von Menschenhand errichteten Nistplattform hat sich bereits ein Brutpaar eingefunden.


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Thema von Anders Norén