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In der Nossentiner Heide

Inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte, etwas nordwestlich der Müritz, liegt die Nossentiner Heide. Obwohl weitgehend unbekannt, birgt sie dennoch eine Landschaft von malerischer Schönheit und verschwenderischer Artenvielfalt. Ihr Kernstück ist das Naturschutzgebiet rund um den Krakauer Obersee, Jagdrevier sowohl von Fisch- als auch von Seeadler. Urzeitlich entstanden ist die Region einst als ein riesiger, sogenannter Flächensander, eine in der Eiszeit entstandene Sand- und Kiesablagerung. Dort, wo Gletscherwasser Rinnen und Mulden ausgewaschen hatten, finden sich heute Seen und Moore, die bereits selten gewordene Tier- und Pflanzengemeinschaften beherbergen. Der Naturpark Nossentiner Heide ist zwar nur sehr dünn besiedelt, dennoch trägt eine intensive landwirtschaftliche Nutzung an seinen Randgebieten, der großflächige Anbau von Weizen, Raps und Mais, dazu bei, die natürlichen Lebensräume zurückzudrängen und einzuengen. Andererseits stellen zum Beispiel aber die abgeernteten Getreidefelder eine bevorzugte Nahrungsquelle für Kraniche, Graugänse und andere Futtersuchende dar. Sogar der Seeadler wittert hier manchmal seine Chance auf leichte Beute.

Es ist nur der Südteil des Krakower Sees, der das Naturschutzgebiet Krakower Obersee bildet. Aussichtstürme und Beobachtungskanzeln in den Ufergebieten erlauben einen guten Überblick über das Schutzgebiet. Vom Beobachtungsturm bei Neu-Dobbin aus lässt sich ein Fischadlerpaar beobachten, das hier bereits seit Jahren auf einem Strommast nistet und regelmäßig seine Jungen aufzieht. Der Bestand an Fischadlern, obwohl sonst stark gefährdet, ist in Mecklenburg-Vorpommern zum Glück stabil geblieben.

Vom Beobachtungsturm Rohrsänger aus, können, wie schon der Name verspricht, Singvögel der Schilf- und Uferregion gesehen, zumindest aber wie der unermüdliche Gesang der Teich- und Drosselrohrsänger, gehört werden. Das umfangreiche Nahrungsangebot des Krakower Obersees begünstigt sowohl Brut- als auch Rastvögel. Über 100 Vogelarten wurden hier im Laufe eines Jahres schon gesichtet. 

In stillen Buchten wächst die Gelbe Teichrose mit ihren hell leuchtenden Blüten. Im nährstoffreichen Wasser tummeln sich alle, für Binnengewässer typische, Fischarten bis hin zum Stör, dessen Wiederansiedlung durch Besatzmaßnahmen versucht wird.

Zwischen Dobbin und Glave thront, im freien Gelände weithin sichtbar, auf einem Mast der Horst eines Fischadlerpaares. Fischadler sind Nahrungsspezialisten, die auf das Vorhandensein fischreicher Gewässer angewiesen sind. Am Krakower Obersee ist dies gegeben. Was hier jedoch fehlt, sind natürliche Nistmöglichkeiten wie auf einzelnen, freistehenden, hohen Bäumen, die einen ungehinderten An- und Abflug ermöglichen. Deshalb werden künstliche Nisthilfen gerne von Fischadlern angenommen.

Man kann Fischadler schon von weitem an ihrem Flugbild erkennen. Es gleicht dem einer großen Möwe. Fischadler sind Zugvögel. Wenn sie im Frühjahr, Ende März bis Mitte April, aus ihrem Überwinterungsquartier in Afrika zurückkommen, beginnen sie sofort mit der Balz. Fischadler führen eine monogame Saisonehe. Durch die Treue zu ihrem Brutplatz kommt es oft zu Wiederverpaarungen der vorjährigen Partner. Das Gelege umfasst meist zwei bis drei Eier, die etwa 40 Tage lang bebrütet werden. Nach weiteren gut fünfzig Tagen sind die Jungvögel flügge. Mitte Juli trainieren sie dann ihre Flugmuskeln, da sie ab Ende August, Anfang September, fähig sein müssen, den Flug ins Winterquartier nach Afrika bewältigen zu können.

Fischadler müssen ihr Revier oft mit Seeadlern teilen. Dabei kommt es oft zu Konflikten und kampfartigen Begegnungen. Meist gelingt es dabei dem viel Kleineren, den weitaus Größeren von seiner Brut  abzuhalten und aus seinem Revier zu vertreiben.

Rund um den Krakower Obersee lassen sich immer wieder Seeadler auf ihren Schlaf- oder Ansitzbäumen ruhend beobachten. Wenn sie am Himmel kreisen, gleichen sie mit ihren weit ausgebreiteten Flügeln einem dahinsegelnden breiten Brett.

Auf dem Weg zum Beobachtungsturm Seeadler gilt es, auf dem Boden kriechende Nackt- oder Weinbergschnecken zu beachten. Auch geht es vorbei an bunten Blumen am Wegesrand und den leuchtenden Farbtupfern der Insektenwelt.

Von der Kanzel des Beobachtungsturms geht der Blick weit hinaus über den See, vom linken Westufer hin zur Glaver Koppel, die zur Mutterkuh-Haltung genutzt wird. Zwischen den grasenden Rindern hat sich ein Schwarm Stare ebenfalls zur Futtersuche niedergelassen. Für viele Vogelarten ist der Krakower Obersee als Rast-, Mauser- und Nahrungsgewässer von großer Bedeutung. Im Sommer werden hier Tausende von Reiher- und Tafelenten gezählt. Die Seeteile mit geringer Wassertiefe beherbergen auf dem Grund riesige Kolonien von Dreieiecksmuscheln, welche die Nahrungsgrundlage für die zu dieser Zeit wegen der Mauser nicht flugfähigen Tauch- und Gründelenten bilden. Auch der Höckerschwan gründelt, bevorzugt dabei allerdings eher vegetarische Kost.

Am frühen Morgen, noch in der Dämmerung, begrüßt mich, ein Fuchspaar auf der Glaver Koppel. Im tiefen Gras äst eine Ricke mit ihren beiden Kitzen. Auch Meister Lampe ist schon auf den Läufen. In einiger Entfernung stellen sich zwei Kraniche ein. Auch die Adler lassen nicht lange auf sich warten. Zunächst fliegt ein Fischadler herbei, um im See Beute zu machen. Schließlich müssen die beiden Nebelkrähen ihren Platz für den mächtigen Seeadler räumen

Es fällt schwer, von dieser Landschaft in der Nossentiner Heide, die eine so reiche Fülle an seltenen und wunderbaren Naturbeobachtungen bereit hält, schließlich Abschied nehmen zu müssen.


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