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Exkursion - Reflexion - Kreation

Kühkopf-Schlappeswörth

Wandert man, von der Erfelder Brücke kommend, den Wiesenrain entlang, geht der Blick unwillkürlich hinauf zu den Kronen und Wipfeln der Schwarzpappeln, die mit unzähligen Kugeln der Mistel geschmückt sind. Die Mistel ist eine Parasitpflanze, die ihre Zweige kugelförmig nach allen Richtungen ausstreckt. Ihr Schmarotzertum besteht darin, dass sie ihre Wurzeln in das Holz der Bäume treibt und durch sie hindurch ihre Nährstoffversorgung sicherstellt. Auf der Streuobstwiese gegenüber stehen jetzt die Apfel- und Birnbäume in voller Blütenpracht.

Bevor der Weg in den Auwald abbiegt, wird er zu beiden Seiten von je zwei mächtigen, uralten Kopfweiden flankiert, deren verwitterte hohle Stämme oft als Nist- und Zufluchtsstätten für manche Vogelarten gedient haben. Silberweiden wurden einst am Altrhein gepflanzt, um die Verladung und Festigung seiner Ufer zu beschleunigen. Ihre Zweige, Äste und ihr Holz wurden von den Menschen früher oft in vielfacher Weise genutzt. Kopfweiden sind somit echte Kulturrelikte. 

Auf dem Sommerdamm führt der Weg durch die Hartholzaue. In ihr wachsen Eiche, Ulme, Esche, Wildapfel, Wildbirne und ein Wirrwarr von Sträuchern, sodass der Eindruck eines dschungelartig überwucherten Urwaldes entsteht. Neben einer Vielzahl anderer Bodenpflanzen breitet sich hier auch weitflächig der Bärlauch aus.

Vom Beobachtungsstand aus geht der Blick auf eine ausgedehnte, von Pappeln und Schilfzonen umgebene Wasserfläche. Sie gehört zum Schlappeswörther Altrhein, einem Seitenarm des Erfelder Altrheins. Infolge langer Trockenheit ist der Wasserstand zur Zeit stark gesunken. Dennoch gibt es hier gute Beobachtungsmöglichkeiten auf vielerlei Vogelarten , wie zum Beispiel Stockenten, Höckerschwäne, Weißstörche, Grau- und Silberreiher.

Hoch über der Aue zeichnet sich das Profil eines Raubvogels im Blau des Himmels ab. Es ist ein Schwarzmilan, der hier fliegt. Der Schwarzmilan wurde zum Symbol des Naturschutzgebietes Kühkopf-Knoblochsaue, weil er hier die europaweit höchste Brutdichte erreicht. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa siedeln und brüten so viele Milane wie hier. Im Gegensatz zu seinem Verwandten, dem etwas bunteren Rotmilan, ist die Grundfarbe seines Gefieders schlicht dunkelbraun. Außerdem trägt er einen kürzeren und nicht so stark gegabelten Schwanz. Der Schwarzmilan gehört zu den Suchflugjägern, das heißt, vieles seiner Beute wird im Flug erjagt. Auf dem jährlichen Vogelzug kehren Schwarzmilane im März aus Afrika zu ihren Nistplätzen zurück, die sich mit Vorliebe auf hohen Bäumen, vor allem alten Eichen, befinden.

Plötzlich wird es am rechten Buchtufer lebendig und laut. Eine Rotte Wildschweine drängt sich grunzend uns schmatzend durch das Schilf. Rotten sind Mutterfamilien, die meist aus einer Bache und ihrem letzten Nachwuchs besteht. Gelegentlich bleibt auch der weibliche Nachwuchs des Vorjahres dabei, der dann mitunter sogar auch schon eigene Frischlinge mit sich führt. Leittier eines solchen Sippenverbandes ist stets die ursprüngliche Mutterbache. In ihrem natürlichen Lebensraum fressen Wildschweine alles, was sie gerade finden, angefangen von Wurzeln, Engerlingen, Würmern, Gelegen von Bodenbrütern, Amphibien und Reptilien bis hin zu kleinen Nagetieren.


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Thema von Anders Norén