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Wasservogelwelt im Bingenheimer Ried

Das Frühjahrshochwasser hat weite Flächen des Naturschutzgebietes Bingenheimer Ried in eine ausgedehnte Seenlandschaft verwandelt. Nur spärlich ragen schmale Landrücken und trockene Schilfbestände aus dem Wasser. Deshalb sind es auch jetzt, Ende April, vor allem die Schwimmvögel, Schwäne, Gänse und Enten, die das überflutete Ried bevölkern. Noch fehlen die auf ihrem Durchzug hier oft sehr zahlreich rastenden Limikolen und die sonst üblichen Scharen von Grau-und Silberreihern.

Der Höckerschwan ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Aufgrund seiner Größe und seines strahlend weißen Gefieders hebt er sich am auffälligsten unter den jetzt hier verweilenden Wasservögeln hervor. Seinen Namen verdankt er dem schwarzen Höcker an seinem Schnabelansatz. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Wasserpflanzen mit den daran haftenden Muscheln, Schnecken und Wasserassseln, die er mit seinem langen Hals gründelnd erreicht. An Land fressen Höckerschwäne  Gras und andere Grünpflanzen. Zur Brut baut das Paar ein großes Nest aus Reisern, Schilf und Rohr.

Die Graugans zählt, so wie auch hier, zu den häufigsten Wasservögeln. Die Brut der Graugänse beginnt meist bereits Mitte März, wobei das Nest oft nur aus einer Anhäufung von Wasserpflanzen besteht. Das Gelege umfasst gewöhnlich vier bis sechs Eier, aus denen die Küken nach circa dreißig Tagen schlüpfen und so meist als erste ihren Eltern in den neuen Lebensraum hinein folgen.

Die Stockente gehört, wie die Schnatterente, zu den bei uns am häufigsten vorkommenden Entenarten. Vor allem den Stockentenerpel ziert ein farbenprächtiges Federkleid, während der Erpel der Schnatterente ebenso schlicht braun-weiß gefärbt wie die weiblichen Enten beider Arten daherkommt. Aufgrund der ähnlichen Färbung ist eine Verwechslung vor allem der weiblichen Vögel leicht möglich.

Viel farbenprächtiger als bei allen anderen Entenarten ziert sich, wiederum nur auf den männlichen Teil bezogen, die kleinste unserer Entenarten, die Krickente. Trotz ihres edlen Aussehens ist sie in ihrer Nahrung wenig wählerisch und nutzt dabei das Angebot der flachen Schlick- und Uferzonen, da ihr, bedingt durch ihren nur kurzen Hals, erfolgreicheres Gründeln in tieferen Gewässern nicht möglich ist.

Auffälligstes Merkmal der männlichen Pfeifente ist im Prachtkleid der rotbraune Kopf, der an der Stirn eine weiße bis rahmgelbe Blässe zeigt, die sich bis zum Schnabelansatz fortsetzt. Auch hier weist das Weibchen dagegen ganzjährig nur eine unauffällige bräunliche Färbung auf. Pfeifenten sind sehr ruffreudige Tiere, und es ist der kurze, scharfe Ruf des Männchens, der ihnen zu dem deutschen Namen dieser Art verholfen hat. 

Wie schon bei allen bisherigenEntenarten gesehen, hat auch der Erpel der Löffelente ein auffallend kontrastreiches Gefieder. Im Ruhekleid dagegen entspricht dessen Gefieder weitgehend dem des Weibchens, das braun gemustert ist und deshalb besonders dem Weibchen der Stockente ähnelt. Die Löffelente durchsiebt mit ihrem löffelartig verbreiterten Schnabel, der ihr den Namen gegeben hat, das Wasser nach Plankton, Wasserflöhen, Insektenlarven, Würmern, Kaulquappen und Fisch- und Froschlaich. So ist sie bei der Nahrungssuche ständig am Gründeln.

Das Kennzeichen im Prachtkleid des Erpels der Knäkente ist der breite, weiße bogenförmige Streifen über dem Auge, der bis in den Nacken reicht. Schnarrende Laute sind für die Namensgebung der Knäkente verantwortlich. Ihre Nahrung, die aus Insekten, Wasserpflanzen und Weichtieren besteht, nehmen sie direkt an der Oberfläche oder nur knapp darunter auf. 

Weit draußen auf dem Wasser tummelt sich eine Schar von Spießenten, die als Durchzügler hier rasten. Trotz der Entfernung sind die namensgebenden Spieße am Schwanz der männlichen Tiere deutlich zu erkennen.

Die Reiherente gehört wie die Tafelente zu den so genannten Tauchenten. Der Kopf der männlichen Reiherente ist schwarz und läuft am Hinterkopf in einen langen, herabhängenden Schopf aus, so wie ihn verschiedene Reiherarten im Prachtkleid auch tragen. Kopf und Hals der Tafelente dagegen zeigen eine rot bis rotbraune Färbung, die sich deutlich vom hellen, silbrig grauen Rumpfgefieder abhebt. Der Name Tafelente führt zurück in frühere Zeiten, in denen das schmackhafte Fleisch dieser Vögel auf jeder Tafel geschätzt wurde.

Der Kiebitz ist der erste unter den Limikolen, der sich als Zugvogel in diesem Frühjahr bereits schon im März hier im Ried niedergelassen und mit der Vorbereitung seiner Brut begonnen hat. Dazu wird ein Brutrevier erkämpft, das mit lauten Rufen und spektakulär akrobatischen Flugmanövern mit seitlich kippenden Sturzflügen gegenüber der Konkurrenz behauptet wird. Die Flügeldecken erwachsener Kiebitze schimmern metallisch grün-grau mit einem leicht angehaucht schillernden Rotton. Der Kopf ist weiß mit schwarzer Stirn, die in einer langen Haube mit zwei ebenfalls schwarzen Zipfeln ausläuft.

Während sich beim Blässhuhn noch einige Hähne mit Revierstreitigkeiten beschäftigt sind, sorgen sich ihre Hühner auf den Gelegen bereits um die Nachkommenschaft. Zwergtaucher, als die kleinsten Vertreter der Lappentaucher, umschwimmen sie in unmittelbarer Nachbarschaft. Hoch auf seiner Brutplattform erhaben, blickt der Weißstorch weit über die Landschaft des Bingenheimer Rieds hinaus.


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